Schreibeuphorie

Euphorie - das ist das Gefühl, welches mich durchströmt, wenn ich mich voll und ganz auf mein liebstes Hobby einlassen kann. Das Gefühl, wenn ich Figuren entwerfe, Handlungsstränge mit Leben fülle und leere Seiten mit Worten; und wenn all das eine lebendige Geschichte ergibt, die eine Spur hinterlässt.


Gerne hätte ich dieses Gefühl jeden Tag - wenn da nicht die Realität wäre, die mich daran erinnert, dass ich einen Brotjob brauche und es deshalb oberste Priorität ist, mein Studium erfolgreich zu beenden. Und so bleibt mir nichts weiter, als mir auszumalen, wie es wäre, wenn ich die Euphorie des Schreibens jederzeit kreativ und produktiv nutzen könnte.

Aktuelles ...

Grabesstille

 

Ich grübe mir gern in die Stille ein Grab,

dann hätt' ich Ruhe und auch Zeit

zum stillen Eid:

Meine Stimme unter anderen zu finden,

mich nicht aufzugeben und loszubinden

von fremden Zielen

und Gesellschaftsspielen.

Langfristige Macht

 

Langfristig ist die Macht nicht.

Sie ist ein Egoist.

Macht was ihr die Krone bringt

Und bezwingt

Freiheit und Leben,

Ohne etwas zu geben.

Nicht nur auf lange Sicht, ist die Macht das was sie ist:

Ein Egoist.

Ich

 

Ich bin nur in Wörtern,

in Versen und Reimen,

in Romanen, Dichtungen, Novellen,

zwischen den Zeilen – allein.

 

Ich bin nur mit Wörtern

lebendig zum Schein,

geschmückt mit fremden Geschichten,

voller Wehmut und klein.

 

Ich bin nur von Wörtern

verständnisvoll geliebt,

die Seele voll Buchstaben-Flicken

und von Schatten getrübt.

 

Ich bin nur aus Wörtern,

geschaffen auf Zeit,

durch Sümpfe der Qualen zu gehen

und niemals befreit.

 

Ich

bin nur in Wörtern.

Zeit abzwacken

 

Wochenplan, Jahresplan,

Arbeitsplan, Semesterplan,

noch ein Plan hintendran,

ist kein Platz mehr – irgendwann.

Jeder muss, keiner kann:

Zeit abzwacken.

 

Volle Köpfe, leere Hirne,

große Schmerzen hinter‘m Stirne.

Noch ein Kaffee und Tabletten,

um vielleicht den Tag zu retten.

Jeder muss, keiner kann:

Zeit abzwacken.

 

Müde Augen, Tränensäcke,

Gewissensbisse in‘ner Ecke.

Hausarbeit und Hausaufgaben,

alles ungewollte Gaben.

Jeder muss, keiner kann:

Zeit abzwacken.

 

Schlaffe Glieder, unbeweglich,

alle schreien unermüdlich:

"Musst für immer heut‘ und morgen

für Uni, Arbeit, Kinder sorgen."

Jeder muss, keiner kann:

Zeit abzwacken.

 

Doch zum Schluss, da kommt die Wende,

reichlich Zeit mit offnem Ende,

brauchst sie nicht mehr, bist erbost:

„So viel Stress, und dann zum Trost – was?“

Keiner muss und jeder kann:

Zeit abzwacken.

Collagen-Gedichte

 

In einer Sitzung eines Lyrik-Seminars befassten wir uns mit Collagen Gedichten. Dazu werden aus Magazinen Worte ausgeschnitten und dann zu Gedichten zusammengeklebt - mehr oder weniger.

Diese Methode ist eine interessante Herausforderung, denn anders als beim freien Schreiben bin ich hier auf die Worte beschränkt, welche ich ausgeschnitten habe.

 

 

(1)

saugemütlich

die psychischen Folgen

der Schokoladenkunst

 

(2)

entgleiste Welt,

Sieger probieren Leid

aus Überzeugung

 

(3)

die Verhältnisinsel:

heute noch innerlich eng

wahnsinnig ist die Zukunft

ich lebe selbst und kicher