Zeit abzwacken

 

Wochenplan, Jahresplan,

Arbeitsplan, Semesterplan,

noch ein Plan hintendran,

ist kein Platz mehr – irgendwann.

Jeder muss, keiner kann:

Zeit abzwacken.

 

Volle Köpfe, leere Hirne,

große Schmerzen hinter‘m Stirne.

Noch ein Kaffee und Tabletten,

um vielleicht den Tag zu retten.

Jeder muss, keiner kann:

Zeit abzwacken.

 

Müde Augen, Tränensäcke,

Gewissensbisse in‘ner Ecke.

Hausarbeit und Hausaufgaben,

alles ungewollte Gaben.

Jeder muss, keiner kann:

Zeit abzwacken.

 

Schlaffe Glieder, unbeweglich,

alle schreien unermüdlich:

"Musst für immer heut‘ und morgen

für Uni, Arbeit, Kinder sorgen."

Jeder muss, keiner kann:

Zeit abzwacken.

 

Doch zum Schluss, da kommt die Wende,

reichlich Zeit mit offnem Ende,

brauchst sie nicht mehr, bist erbost:

„So viel Stress, und dann zum Trost – was?“

Keiner muss und jeder kann:

Zeit abzwacken.

Collagen Gedichte


(1)

saugemütlich

die psychischen Folgen

der Schokoladenkunst


(2)

entgleiste Welt

Sieger probieren Leid

aus Überzeugung


(3)

die VerhältnisInsel

heute noch innerlich eng

wahnsinnig ist die Zukunft

ich lebe selbst und kicher