Das Lied des Raben

 

Der Wald umarmte mich.

Ich roch die Süße des Zerfalls, der Blätter am Boden. Die Würze von Moos und Harz. Kiefern wiegten sich im Wind, der mit seinen kühlen Fingern über mein Gesicht strich, wie die Hand meines Liebsten.

Meine Füße bewegten sich im Takt eines unbekannten Liedes, das zwischen den Bäumen nach mir rief. Ich streckte die Arme aus, drehte mich im Kreis, legte den Kopf in den Nacken und juchzte vor Begeisterung. Der Wald antwortete mit einem Echo, die Musik mit hohen Tönen, die in die Wipfel der höchsten Kiefern hinaufkletterte, dort tausend Finger nach mir ausstreckte und mich in luftige Höhen zog. Ich schwebte und träumte in den liebkosenden Armen des Windes.

Abrupt endete das Lied.

Vor mir lag eine Lichtung.

Ein Dutzend Raben saß im Kreis. Und in ihrer Mitte stand der Geiger.

Er lächelte mir zu und stimmte ein neues Lied an.

Ich ließ mich zu seinen Füßen nieder. „Das ist eine wunderbare Melodie.“ 

Ich hörte die Worte in meinem Geist, doch aus meiner Kehle drang nur heiseres Krächzen.